Türkei: Gulet

Wer eine ‚Blaue Reise’ bucht, erlebt die Türkei abseits der ausgetretenen Touristenpfade. Von Bord einer Gulet aus, eines traditionellen, hölzernen Schiffes

Eigentlich ist Mehmet ein Kapitän, wie man ihn sich vorstellt. Die Haut ist braungebrannt, die Statur ist kräftig und die Stimme dunkel, er strahlt Ruhe aus, wahrscheinlich sogar, wenn um ihn herum ein Sturm tobt. Nun aber sitzt er auf der Reling und schüttelt den Kopf, dass die türkische Filterzigarette im Mundwinkel hin- und herwippt. Ins Meer springen? „Hayir, hayir“, sagt er, nein, nein, das tue er auf gar keinen Fall. Schon gar nicht im Frühsommer.

Die Worte des Kapitäns tragen nicht gerade dazu bei, dass sich mein Puls beruhigt, im Gegenteil. Ein dumpfes Pochen kriecht meinen Hals hinauf und hämmert seinen Takt in meine Ohren. Ein paar Meter unter mir gurgelt das Meer, silberne Schatten flitzen vorüber, ich denke an den kurzen Schock, der mich erzittern lassen wird, wenn ich eintauchen werde. Aus der Tiefe schimmern Felsen, ich zähle: eins, zwei, drei! Und springe tatsächlich. Hinein in eine dieser Bilderbuch-Buchten, die jeder von Postkarten kennt: ringsherum Hügel, in deren kargen Boden Kiefern ihre Wurzeln krallen, Felsen, von tintenblauem Wasser umspült, und mittendrin schaukelt ein hölzernes Schiff.

Eine Kreuzfahrt auf einer türkischen Gulet, in diesem Fall, auf der ‚Mehmet Kaptan 4’. Eine Woche lang wird uns Kapitän Mehmet (44) durch den Golf von Fethiye schippern …

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