Im Zweitakt durch die Toskana

Wer die Toskana mit der Vespa durchfährt, kommt auch (fast) überall hin. Und lernt außerdem noch, wie sie sich anfühlt, wie sie schmeckt und wie sie riecht. Eine Reise mit allen Sinnen 

Endlich! Ich stoße die gläserne Tür auf, die das Café vom Rest der Welt trennt und hole tief Luft, kühle, klimatisierte Luft, Luft ohne Brummer und Mücken. Zwei Stunden auf dem Sattel einer Vespa liegen hinter mir, der Fahrtwind hat mir die Fliegen auf die Gläser meiner Sonnenbrille und auf meine Wangen geschmettert. Jetzt ist dieses kleine Cafe hier meine Rettung, ein Plätzchen zum Erholen, klein und voll besetzt mit Italienern, die nun alle schauen: auf mein kleines, himmelblaues Motorino und auf mich. Ich bestelle Wasser und einen Cafe Latte, dann kann ich mich entspannen, endlich, mich ausruhen, stärken. Und darüber nachdenken, ob das eine gute Idee war, die Toskana mit der Vespa durchstreifen zu wollen.

Am Abend zuvor hatte ich mir eine Vespa geliehen, bin an einer Reihe rubinroter und zitronengelber Roller vorbeigeschritten, alle neu und glänzend, bis sich meine Blicke an der Himmelblauen festhielten, Baujahr 1966 und mit rissigem Kunstledersattel. „Scusa“ hatte ich geflüstert, „könnte ich auch die dort hinten haben?“ Der Alte von der Verleihstation hatte mich angestarrt und den Kopf geschüttelt, hatte sie von Spinnweben befreit und ein paar Rädchen und Schräubchen überprüft, sie dann von ihrem dünnen Ständerchen gehievt und mir übergeben, immer noch kopfschüttelnd. Dabei war sie die Schönste weit und breit. …

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