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Ligurien: Italiens heiße Küste

Ligurien gehört touristisch zu den italienischen Highlights – dank 300 Küstenkilometern, Sandstränden und Städten wie Portofino, Genua & Co

Für manche Menschen hat Giovanni di Pazza überhaupt keinen Blick. Breitbeinig, mit schwarzem, nach hinten gekämmtem Haar und dunkler Sonnenbrille sitzt er auf einer Bank am Hafen. Sortiert die Menschen in zwei Schubladen, bekannt oder nicht. Den kleinen Fähranleger zu seiner Linken und vor sich die Mole mit den blankpolierten Megayachten, schaut er jedem ins Gesicht, der über den Wasserweg hierher kommt. Und heute, so kursiert ein Gerücht, soll das Mel Gibsen sein. “Ich bin sicher, es stimmt”, meint Giovanni und läßt dabei die große Yacht, die gerade einläuft, nicht aus den Augen. “

Giovanni die Pazza ist Paparazzi und regelmäßig in Portofino, weil in Portofino regelmäßig Berühmtheiten die schmale Hafenmole auf- und abflanieren. Berlusconi hat er hier schon vor die Linse bekommen und jede Menge Leute aus dem internationalen Showbusiness. Manche waren nur auf einer kurzen Stippvisite, andere auf dem Weg zu einem Millionärs-Anwesen, von denen sich Dutzende im dichten Grün verstecken.

Portofino, der Nobelort an der italienischen Riviera, ist weiß Gott nicht das einzige Juwel an der Italienischen Riviera. Denn Riviera – vom französischen rivière abgeleitet – steht für eine Halskette, für ein Collier mit vielen wertvollen Diamanten. Und davon gibt es rund 50 zwischen der französischen Grenze im Westen und der toskanischen Küste ganz im Osten …

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Ischia: Ist das heiß!

Früher kamen fast ausschließlich Best-Ager nach Ischia. Sie kurierten auf der Mittelmeerinsel ihre Knochen- und Muskelschmerzen. Doch Ischia ist viel mehr als nur ein Eiland voller Thermalquellen

Langsam trocknet der Schlamm in der Sonne. Die Haut spannt sich unter der feuchten Schicht, ein Kribbeln breitet sich aus und kriecht von der Brust über den Hals und das Gesicht bis zur Stirn hinauf. “Wenn es getrocknet ist, könnt ihr es abspülen”, sagt Pietro, und deutet auf das Meerwasser. Wellen klatschen leise gurgelnd gegen die rauen, grauen Felsen. Pietro kniet sich nieder und wäscht sich seine Hände im warmen Meer, dann packt er seine Utensilien zusammen, einen Schwamm, ein Handtuch, Handcreme. Er ist eine Art fliegender Händler für Gesichtsmasken, er hat den jungen Italienerinnen den heilenden Schlamm aufgetragen und macht sich gleich auf die Suche – nach den nächsten Kunden.

Das Meerwasser, so erzählt Pietro noch, sei hier in der Sorgeto-Bucht im Süden von Ischia schön warm, eine Thermalquelle heize es auf. 90 Grad Celsius ist das Wasser heiß, das unten aus dem Felsen kommt und ins Meer sprudelt. Man hat mit Gesteinsbrocken Bassins gebaut, in denen die Italienierinnen gleich im Thermalwasser vor sich hinköcheln können. Wie viele dieser Quellen gibt es auf dieser Insel? Pietro lacht und wirft seinen Kopf in den Nacken, “was für eine Frage!”, sagt er. “Sehr viele! Auf jeden Fall über hundert!” 

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Im Zweitakt durch die Toskana

Wer die Toskana mit der Vespa durchfährt, kommt auch (fast) überall hin. Und lernt außerdem noch, wie sie sich anfühlt, wie sie schmeckt und wie sie riecht. Eine Reise mit allen Sinnen 

Endlich! Ich stoße die gläserne Tür auf, die das Café vom Rest der Welt trennt und hole tief Luft, kühle, klimatisierte Luft, Luft ohne Brummer und Mücken. Zwei Stunden auf dem Sattel einer Vespa liegen hinter mir, der Fahrtwind hat mir die Fliegen auf die Gläser meiner Sonnenbrille und auf meine Wangen geschmettert. Jetzt ist dieses kleine Cafe hier meine Rettung, ein Plätzchen zum Erholen, klein und voll besetzt mit Italienern, die nun alle schauen: auf mein kleines, himmelblaues Motorino und auf mich. Ich bestelle Wasser und einen Cafe Latte, dann kann ich mich entspannen, endlich, mich ausruhen, stärken. Und darüber nachdenken, ob das eine gute Idee war, die Toskana mit der Vespa durchstreifen zu wollen.

Am Abend zuvor hatte ich mir eine Vespa geliehen, bin an einer Reihe rubinroter und zitronengelber Roller vorbeigeschritten, alle neu und glänzend, bis sich meine Blicke an der Himmelblauen festhielten, Baujahr 1966 und mit rissigem Kunstledersattel. „Scusa“ hatte ich geflüstert, „könnte ich auch die dort hinten haben?“ Der Alte von der Verleihstation hatte mich angestarrt und den Kopf geschüttelt, hatte sie von Spinnweben befreit und ein paar Rädchen und Schräubchen überprüft, sie dann von ihrem dünnen Ständerchen gehievt und mir übergeben, immer noch kopfschüttelnd. Dabei war sie die Schönste weit und breit. …

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