Schlagwort-Archive: Familie

Trysil: Winterferien auf norwegisch

Trysil ist Norwegens größtes und bekanntestes Skigebiet – und es ist wie geschaffen für Familien

Ganz langsam blinzeln die ersten blassen Sonnenstrahlen durch die Bäume, der Schnee knirscht, das Rillenmuster, das die Pistenraupen ins makellose Weiß gezeichnet haben, ist noch jungfräulich. Es ist kurz vor neun, gleich öffnen die Lifte. Schlangen? Fehlanzeige. Schließlich befinden wir uns in Norwegen, im größten Skigebiet hierzulande, im Trysilfjellet.

Hier, rund zweieinhalb Autostunden nördlich von Oslo und nahe der Grenze zu Schweden, lassen sich Winterferien der besonderen Art verleben. Natürlich kann man hier skifahren, aber es gibt noch weit mehr rund um Trysil: eine Halfpipe für Snowboarder beispielsweise und winterliche Schneeschuhwanderungen. Blauäugige Huskies, die unsere Familie auf flachen Schlitten durch die weiße Winterlandschaft ziehen werden. Ebenfalls Pflichtprogramm: ein Abend in der urigen und steinalten Hütte Knettsetra. Hier gibt es dreimal in der Woche Elchfondue. Aber dazu später …

„Der 1.132 Meter hohe Trysilfjellet ist im Vergleich mit den Alpen fast ein Zwergberg“, sage ich zu Jakob, 9, „doch keine Sorge, Abfahrten gibt es hier mehr als genug. An den Hängen des vulkanartigen Berges verteilen sich 32 Skilifte und 66 Abfahrten, sanfte gleichermaßen wie schwarze Pisten. …

back

Brandenburg: Bungalowboot

In Brandenburg gibt es neuerdings Schiffe, die aussehen wie kleine, hölzerne Ferienhäuser

Die Sonne wirft grelle Strahlen über den Plauer See, als sich der mittelblaue, hölzerne Bungalow langsam aus dem Schilf schiebt. Ein Graureiher schwingt sich in die Luft. Die schwimmende Holzhütte dreht langsam, man hört das Wasser gurgeln und Enten schimpfen. „Ja“, sagt Günter Großmann und winkt nebenbei, „es sieht wirklich ein bisschen komisch aus“, das muss er zugeben. Ein Lächeln huscht über sein Gesicht. „Aber die Idee kommt gut an. Vor allem, weil man keinen Bootsführerschein braucht.“

Großmanns Erfindungen liegen seit Kurzem an einem Steg in Plaue an der Havel, kleine Blockhäuser, blau, gelb, rot und lindgrün gestrichen, mit zwei Rümpfen drunter. Gartenlauben, die Schiffe sein sollen. „Bungalowboote“, verbessert Großmann. Kann man mit denen wirklich in See stechen? Der Mittfünfziger aus Aschaffenburg nickt und lässt seinen Blick über das Schilf und den Plauer See wandern, als läge das große weite Meer vor ihm. „Natürlich“, sagt er, „was für eine Frage.“

Vor dem ersten Ablegemanöver allerdings muss man elf Seiten Theorie studieren und eine kleine praktische Einführung in die Technik an Bord und die wichtigsten Regeln der Binnenschifffahrt bekommen haben. Grüne Tonnen lässt man links liegen, rote rechts. Die Bungalowboote müssen Segelyachten, Ruderbooten und Kanus ausweichen. Wer von rechts kommt, hat Vorfahrt. …

back

Österreich: Geheimtipp Wachau

Dass die Wachau zauberhaft ist und ihre Weine preisgekrönt sind, ist wohlbekannt.
Als Ziel für Familienferien ist sie ein Geheimtipp

Die Sonne steht am Himmel wie ein großer, weißer Teller. Es ist heiß hier auf dem Wasser, überraschend heiß, viel heißer als gedacht. „Sind die Sommer hier immer so heiß?“ Christian Thiery schmunzelt, sagt „ja“, sagt „ immer“, grinst breit, zieht die Luft tief ein und lässt sich zurückfallen, einfach so, aus der Zille hinein ins Donauwasser.

Christian Thiery ist hier aufgewachsen, und man spürt die Begeisterung für seine Heimat in jedem Satz. „Das Wasser ist supersauber“, sagt er, und zack, glaubt man es. „Nirgendwo auf der Welt gibt es besseren Wein!“, wird er am Abend behaupten, und zack, man wird ihm auch das glauben. Christian Thiery klettert zurück ins Boot, grinst wieder dieses jungenhafte mir-kann-man-alles-glauben-Lächeln, wendet sich einem kleinen Mädchen zu, das mit im Boot sitzt, flüstert ihr etwas ins Ohr, sie kichern kurz, dann sind sie beide weg, abgetaucht in der Donau.

Wer Szenen wie diese beobachtet, denkt im Stillen, das macht er gut, der Christian Thiery, der junge Chef des Schloßhotels Dürnstein. Er sagt nicht: Schaut her, ist es nicht wunderbar hier! Er fährt die Urlauber lieber mit der hölzernen Zille auf der Donau spazieren, er setzt sie in wackelige Ruderboote, lässt sie spüren, was die Wachau alles zu bieten hat. Lehnt sich zurück und genießt es, zuzusehen, wie ihr die Menschen verfallen, reihenweise. …

back

Müritz: Auf Seefahrt

Wer ein Segelschiff chartern möchte, braucht nicht unbedingt einen Bootsführerschein. Kleinkreuzer mit 4,5 PS-Motoren kann jeder mieten – und damit zum Beispiel die Müritz erkunden

Die Sonne wirft ihre letzten milden Strahlen über den See, leise und mit dicht geholtem Vorsegel gurgelt der kleine Jollenkreuzer durch die trichterförmige Enge. Eine schwache Brise kräuselt das Wasser. In der Luft kreisen Fischadler. Flaches, grün bewaldetes Land steigt rechts und links aus dem See. Ich steuere mit unserer „Marina“ den Wasserwanderrastplatz von Rechlin an, taste mich langsam dem Ufer entgegen, “hier wird es flach!”, ruft Nora irgendwann. Okay, denke ich, probieren wir’s. Ich lasse den Anker ins Wasser gleiten, lasse die Mädchen mit einer Leine an Land waten und eine Schlinge um einen Baum knoten – dann schaukelt unser Kleinkreuzer sicher und fest in der kleinen Bucht.

Mit einem Kleinkreuzer auf der Müritz segeln – das kann jeder, der Lust darauf hat, ein Führerschein ist für Schiffchen wie die First 210 nicht nötig. “Natürlich sollte man Lust auf Wasser und Wind mitbringen”, so Eva Mühleck von Kuhnle-Tours, “und ein bisschen Sportlichkeit kann auch nicht schaden, schließlich sind diese Jollen vergleichsweise klein und wackelig. Aber das – gepaart mit einer gehörigen Portion Neugierde auf ein zauberhaftes Binnenrevier – ist alles.” Und das klappt? Man kann einfach aufsteigen und lossegeln? “Bisher hat es immer geklappt!”, wischt Mühleck meine Bedenken weg.” …

back

Portugals wilder Westen

Eine 200 Kilometer lange Küstenlinie und fast 100 Strände: Die portugiesische Algarve und die benachbarte Region namens Alentejo sind echte Bade- und Surfparadiese. Man muss nur die richtigen Ecken und Strände kennen. Eine Familienreportage

Sonne und Strand – das ergibt zusammen einen wunderbaren Familienurlaub. Das ist ein Gesetz, tausendfach, nein, millionenfach überprüft. „Man kann mit Portugal gar nicht falsch liegen“, hatte mein Mann Micha argumentiert, „da scheint nämlich ununterbrochen die Sonne und es gibt Strände in Hülle und Fülle.“

Andererseits: Die Algarve soll ziemlich voll sein. Handtuch an Handtuch schmoren die Urlauber an den Stränden, heißt es, „und da sollen wir hinfahren?“ Mein Mann hatte abgewunken, wie Männer gern mal abwinken. „Ich kenne mich da aus“, hatte er gesagt, „ich weiß, welche Strände schön sind.“ Jetzt, Monate später, steuern wir einen jener Strände an, heiße, salzige Luft strömt ins Wageninnere, Johannisbrotbäume flitzen am Fenster vorbei, „ich höre das Meer rauschen!“, freut sich Jakob (7). Und Nora (10) und Tim (13) stellen die Frage aller Fragen: „Wann sind wir da?“

Portugals Algarve macht die Antwort leicht, denn: Der nächste Strand ist nie weit entfernt. Insgesamt 95 sandige Abschnitte verteilen sich auf die 200 Kilometer Küstenlinie, einer davon: Der Praia da Marinha ganz in der Nähe unseres Feriendomizils in Carvoeiro, zwei sandige Nischen, die eingerahmt sind von hochhaushohen Felswänden. Kleine Wellen schwappen auf goldgelben Sand. Wir sehen Fische auseinanderstieben, sammeln Muscheln und planschen stundenlang im erfrischenden Meer. …

back

Istrien for family

Malerische, geschichtsträchtige Städte, dazu die warme, azurblaue Adria – Istrien bietet ideale Voraussetzungen für perfekte Familienferien

Hätte ich keine Kinder, wäre ich schon am ersten Morgen hingefahren, gleich nach Sonnenaufgang. Ich wäre durch die schmalen Gassen mit dem abgelaufenen Pflaster geschlendert, früh morgens, wenn sie noch den Einheimischen gehören, den Alten, die um diese Zeit vor ihren Häusern hocken und starken Kaffee schlürfen. Ich hätte einen Cappuccino in einer kleinen Bar getrunken. Und ich wäre die erste an den Marktständen gewesen, von deren hölzernen Klappdächern Ketten aus Knoblauch und roten Peperoncini baumeln.

Aber ich habe Kinder, drei, wohne daher nicht mittendrin sondern eher außen vor, zumindest die ersten Tage, und muss noch vor dem ersten Café Latte Diskussionen führen. „Was willst Du denn da?“, will Tim (11) wissen, und seine Stimme, die Art, wie er dieses ‚da’ betont und langzieht, lässt keinen Zweifel daran, dass er meine Idee für eine Schnapsidee hält, bestensfalls. „Nach Rovinj! Häuser anschauen! Und Kirchen! Mensch Mama!“ Er muss sich nicht bemühen, die Geschwister auf seine Seite zu ziehen. Nora (8) lässt die Mundwinkel hängen, als würde sie im Wettstreit mit einem Boxer stehen, und Jakob (5) schmeißt sich auf den Boden. „Ich will aber nicht in eine Stadt, ich will keine Kirchen angucken! Ich will schwimmen!“ Ich zähle stumm vor mich hin, 21, 22, 23, denke, nur die Ruhe, und packe eine Tasche zusammen mit allem, was man so braucht für einen Familien-Tagesausflug in ein Städtchen. Sie werden schon sehen. …

back

Segeln auf der Ostsee

Ein sommerlicher Segeltörn quer über die Flensburger Förde und bis zur Insel Als

Die Sonne strahlt, der Wind bläst böig, das Wasser ist dunkelblau wie ein Ozean. Auf den winzigen Wellenkämmen thronen weiße Schaumkronen, im Gegenlicht der Sonne sieht das Meer aus wie ein Glitzerteppich. Die Genua ist gerefft, „Benno“ rauscht mit Schrick in den Schoten und sechseinhalb Knoten auf das bekannteste Seezeichen der Flensburger Förde zu: die Schwiegermutter.

„Da müsst ihr unbedingt im Fahrwasser bleiben“, hatte Henrik Hussi, Stützpunktleiter des Charterunternehmens Mola Yachting in Flensburg, gewarnt, „gleich daneben ist das Wasser nur noch einen halben Meter tief.“ Klar, eine Schwiegermutter schneidet man nicht, zumindest nicht ungestraft.

Vorgestern hatten wir unsere Bavaria 40 Cruiser übernommen, mit an Bord sind zwei Erwachsene, zwei Jugendliche und zwei Kinder. Es ist Ende Juli, in den meisten Bundesländern sind Sommerferien, „zur Zeit sind fast 80 Prozent unserer Gäste Familiencrews“, erzählte Henrik vorgestern am Steg, während er ohne viele Worte seine 33 Mann starke Stützpunktcrew organisierte.

Von Flensburg aus liegt einem die Ostsee zu Füßen. Der Kleine und der Große Belt, die Insel Fünen, die Dänische Südsee, die Schlei, auch Samsø, Anholt, Kopenhagen und Fehmarn. Doch auf der „Benno“ interessieren diese Ziele niemanden. …

back

Österreich: Wellness for family

Passen Wellness und Kinder unter einen Hut? – Ein Selbstversuch.

„So fühlt sich das also an“, sagt Nora (9) und rümpft die Nase. „Es riecht matschig“, meint sie, modrig, wie nach einem Platzregen auf dem Spielplatz. „Es ist gesund“, erwidere ich, „es wird dich entspannen.“ Ich strecke meine Füße aus dem Moorwasser, schwarze Tropfen malen ebenso schwarze Kreise auf die Wasseroberfläche, es stinkt wirklich, denke ich still. „Zwanzig Minuten?“, fragt Nora. Ich nicke. Zwanzig Minuten. Sie lässt ihre Hände auftauchen wie U-Boote aus der finsteren Nacht, in ihrem Blick liegt etwas Angewidertes.

Wellness für die ganze Familie – das klang für mich nach Erholung auf ganzer Linie, das klang nach Stunden in der Familiensauna, nach Massagen für meinen Mann Micha (43), Tim (12) und Jakob (6), nach Gesichtsmasken für Nora und mich, nach Heilerde und Moorbädern. Auch wenn das tiefschwarze Wasser in meiner Vorstellung weniger streng roch als dieses hier. „In Ihrer Wanne ist übrigens ein ganzer Liter zähflüssiges Moor“, platzt Nicola in meine Gedanken. Die Chefin des Spa-Bereichs wärmt noch schnell unsere Handtücher auf und zündet ein paar Kerzen an, dann lässt sie uns allein, allein in der dunklen Brühe und mit meinen Gedanken an die bevorstehende Wellnesswoche.

„Wellness?“, hatten mein Mann und Tim meine Idee mit hochgezogenen Brauen missbilligend abgetan. „Brauchen wir nicht.“ Ich habe geschwiegen und später gebucht, ein Hotel in Österreich, in dem sich Wellness und Familie unter einen Hut bringen lassen sollen. Manchmal muss man Männer schließlich zu ihrem Glück zwingen. …

back

Österreich: Im Winterwunderland

Wer Österreichs hinterletzter Ecke ansteuert, hat es gut: Schnee in Hülle und Fülle. Allerlei Wintervergnügen. Und original österreichischer Kaiserschmarrn

„Aber in die Skischule gehe ich dieses Mal nicht!“, sagt Nora (10) bestimmt und stampft auf den hölzernen Dielenfußboden unserer Hamburger Stadtwohnung. Auch ihr kleiner Bruder Jakob (7) pflichtet ihr sofort bei: „Ich auch nicht.“ Und für mich muss sich mein Mann Michael (44) ohnehin etwas einfallen lassen. Berge, Schnee und Sonnenterassen sind ganz mein Geschmack, aber den ganzen Tag lang Pisten rauf- und runtersausen? „Ich würde mich gern erholen“, gebe auch ich mein Statement ab. Mein Mann grinst nur, sagt „ganz ruhig, ihr Lieben“, nickt wissend und packt weiter, Schneehosen, Schals, Mützen.

Die Zauberformel für unseren Winterurlaub liegt in Kärnten und heißt Mountain Resort Feuerberg. Das klingt nach Kanada, liegt jedoch in Österreich. Unser bis unter das Dach vollgestopfter Kombi schlängelt sich die Serpentinenstrasse bis auf 1760 Meter hinauf, links und rechts Wände aus Schnee. Zum Glück sind wir vorbereitet, haben Winterreifen auf den Felgen und Schneeketten im Fußraum. Oben angekommen, lassen wir unsere Blicke die Karawankengipfel hinaufklettern und über die umliegenden Täler von Kärnten schweifen. „Das ist voll cool“, findet Tim (13), „man kann ja unendlich weit gucken!“

Das Ende der Straße ist der Beginn einer anderen Welt, einer Welt, die nur aus Bergen, Schnee und Himmel zu bestehen scheint. …

back

Amrum: Watt zu Weihnachten

Weihnachten mal ohne Stress, fernab der Großfamilie auf der nordfriesischen Insel Amrum

Als sich die Leinen der ‚Rungholt’ langsam lockern und zwei tiefe, lange Huptöne über die kalte Nordsee dröhnen, atme ich erstmal tief durch. Jetzt kann nichts mehr schiefgehen. Wir haben die Fähre erwischt. Und wir haben es tatsächlich geschafft, alle Weihnachtsgeschenke unauffällig im Kofferraum zu verstauen, die großen Lego-Packungen, die Inliner, Kuscheltiere, Bücher, Spiele, sogar die Gitarre. Lediglich ihr Griff ist noch zu erahnen, sonst nichts, zum Glück. Schließlich sind Nora (8) und Jakob (6) sicher, dass nicht Vater und Mutter sondern das Christkind die Präsente unterm Baum ablegt. Die Fähre tastet sich vor ins milchige Nichts. Irgendwann wird sich Föhr aus dem milchigen Dunst schälen und kurz darauf Amrum. Ich ziehe die Mütze tiefer ins Gesicht und denke an unserer Weihnachtsferien. An lange Wattwanderungen in der Winterjacke. An Eiskristalle am Dünengras. Und an gemütliche Stunden vor dem prasselnden Kamin.

Weihnachten auf Reisen – das hatte in unseren Vorstellungen verschiedenste Reize. Mit zwei Großfamilien im Schlepptau sind wir Weihnachten seit Jahren immer doppelt und dreifach eingeladen, nicht selten verbringen wir die Feiertage unter drei verschiedenen Tannenbäumen. Das schürte den Wunsch, endlich mal Ferien von und fern der Großfamilie zu machen, endlich mal allein unterm Baum zu sitzen. Zum Beispiel auf Amrum, da wollten wir schließlich immer schon mal hin. …

back

Schlei: Stadt, Land, Fjord

Am Ufer der Schlei, die sich über 40 Kilometer ins schleswig-holsteinische Land gräbt, lassen sich entspannte Tage verbringen

Neun Uhr dreißig, die Herbstsonne blinzelt durch das Grün, wirft schwache, fahle Strahlen über das Wasser und vertreibt ganz allmählich den Morgennebel, der auf der Schlei und über dem kleinen Ort Missunde hängt wie eine Decke. Nikos nimmt einen tiefen Schluck Tee aus seiner Tasse und zieht seine Jacke zu. „Es ist ein guter Tag heute“, sagt er und deutet auf eine Plastiktüte neben seinen schweren Gummistiefeln. „Die Barsche beißen.“

Nikos, ein Grieche in den Fünfzigern, hat sein Herz an diesen norddeutschen Landstrich verloren, schon vor Jahren. „Moment“, sagt er und zieht die Angel ein. „Schon wieder einer.“ Der Barsch zappelt, er nimmt ihn ab, ein kurzer Schlag, dann ein langer Schnitt. Nikos wirft ihn zu den anderen in die Tüte, sagt, dies sei schon sein Zwölfter heute, „die schmecken wunderbar, meine Frau friert sie portionsweise ein.“

Zeit für meine Söhne, ihre Angeln bereit zu machen. „Welchen Köder nehmen Sie denn?“, fragen Tim (13) und Jakob (7) unisono und breiten ihre Utensilien neben Nikos aus. Der schiebt ihnen ein Schälchen kleiner, weißer Maden rüber, erzählt von den Barschen, die gerade schleiaufwärts schwimmen, um dort abzulaichen. „Die sind richtig hungrig“, sagt Nikos, grinst breit, und zieht den nächsten raus.

Für ihren Fischreichtum ist die Schlei bekannt. Für die Barsche, die jetzt im Herbst so zahlreich beißen und für die Heringe im Frühjahr. Für Aal, Butt und Zander …

back

Rømø, Dänemark

Ein Besuch auf der dänischen Insel Rømø, die nur einen Steinwurf von Sylt entfernt liegt, aber doch ganz anders ist

Die alte Weißhaarige, die schon hierher kommt, seitdem sie denken kann, sagt, wenn Rømø ein Mensch wäre, wäre es wahrscheinlich eine Dame vom Lande, mittleres Alter, grundsolide, sportlich, aufgeschlossen. Vielleicht, meint die Alte, wäre sie ein bisschen unmodern, das schon, aber nett wäre sie. Sie würde wert legen auf Natürlichkeit, wahrscheinlich auch auf gute Ernährung. Sie würde Krabben essen, die, für die Rømø bekannt ist. „Aber Austern würde sie verschmähen“, da ist sie sich sicher, „die schmecken zu sehr nach Sylt.“

„Rømø ist eine gute Insel“, sagt sie. Rømø verspricht nichts, was es nicht halten kann. Es ist einfach eine Insel, platt wie eine Flunder und struppig. Die Häuser stehen kreuz und quer über das Eiland verteilt, hier ein paar und dort ein paar, „schöne Häuser“, sagt die Alte und nickt bedächtig, „wahre Prachtstücke gibt es hier.“ Die Dörfer lassen auf den ersten Blick keine Struktur erkennen, haben keinen Platz, auf dem man sich treffen könnte. „Hier wohnt ja auch kaum noch jemand.“

Das stimmt. Knapp 600 Einwohner sind übrig geblieben auf Rømø, „vor 10 Jahren waren es noch mehr als 2000“, erinnert sich Bodil Glistrup Thomsen, Tourismus- und Entwicklungschefin der kleinen, dänischen Insel, die gerade mal zwei Kilometer nördlich von Sylt liegt. „Aber es ist wie auf vielen kleinen Inseln, die Jungen gehen aufs Festland, studieren, machen eine Ausbildung. Und kommen selten zurück.“ …

back