Schlagwort-Archive: Der Norden

Vejrø – eine Privatinsel

Seit sechs Jahren gehört die kleine Insel Vejrø im Smalandsfahrwasser einem dänischen Bankier. Wer die Insel besucht, sieht sofort, was er daraus gemacht hat: ein kleines Paradies

Zwei Feldhasen jagen über das stoppelige Feld, dahinter schäumt die Ostsee sanft an einen wilden, menschenleeren Strand. Nur ein paar Seegrasbüschel liegen im watteweichen Sand und ein bisschen angeschwemmtes Holz. Keine Menschenseele in Sicht. Nur ein Rehbock hebt in der Ferne seinen Kopf aus einem Feld.

„It’s a beautiful place“, sagt Susanne Bang. Sie lächelt versonnen und lässt ihren Blick über das trockene Gras wandern, das sich in einer schnurgeraden Piste am Meer entlangzieht. Weit hinten wendet ein kleines weißes Motorflugzeug. Susanne Bang, ungefähr Anfang fünfzig und sehr hager, verfolgt, wie der kleine Flieger Schwung nimmt und kurz vor ihr in den sommerblauen Himmel abhebt, „Vejrø ist nur per Privatflugzeug zu erreichen und mit unserem Bootsshuttle“, sagt sie. Und dann erzählt sie weiter: Von der kleinen Insel, die hier im dänischen Inselmeer zwischen Seeland und Lolland schwimmt, und die seit sechs Jahren dem dänischen Bankier Kim Fournais gehört.

Eigentlich könnte die Geschichte an diesem Punkt uninteressant werden, ja, geradezu langweilig. Wer will schon Details darüber lesen, was ein Banker aus seinem Flecken Land macht? Doch wer seinen Fuß auf das kleine Eiland zwischen Seeland, Lolland und Fünen setzt, schiebt derlei Gedanken schnell beiseite. Denn man sieht sofort: Vejrø wird mit viel Liebe gestaltet. …

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Trysil: Winterferien auf norwegisch

Trysil ist Norwegens größtes und bekanntestes Skigebiet – und es ist wie geschaffen für Familien

Ganz langsam blinzeln die ersten blassen Sonnenstrahlen durch die Bäume, der Schnee knirscht, das Rillenmuster, das die Pistenraupen ins makellose Weiß gezeichnet haben, ist noch jungfräulich. Es ist kurz vor neun, gleich öffnen die Lifte. Schlangen? Fehlanzeige. Schließlich befinden wir uns in Norwegen, im größten Skigebiet hierzulande, im Trysilfjellet.

Hier, rund zweieinhalb Autostunden nördlich von Oslo und nahe der Grenze zu Schweden, lassen sich Winterferien der besonderen Art verleben. Natürlich kann man hier skifahren, aber es gibt noch weit mehr rund um Trysil: eine Halfpipe für Snowboarder beispielsweise und winterliche Schneeschuhwanderungen. Blauäugige Huskies, die unsere Familie auf flachen Schlitten durch die weiße Winterlandschaft ziehen werden. Ebenfalls Pflichtprogramm: ein Abend in der urigen und steinalten Hütte Knettsetra. Hier gibt es dreimal in der Woche Elchfondue. Aber dazu später …

„Der 1.132 Meter hohe Trysilfjellet ist im Vergleich mit den Alpen fast ein Zwergberg“, sage ich zu Jakob, 9, „doch keine Sorge, Abfahrten gibt es hier mehr als genug. An den Hängen des vulkanartigen Berges verteilen sich 32 Skilifte und 66 Abfahrten, sanfte gleichermaßen wie schwarze Pisten. …

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Amrum: Watt zu Weihnachten

Weihnachten mal ohne Stress, fernab der Großfamilie auf der nordfriesischen Insel Amrum

Als sich die Leinen der ‚Rungholt’ langsam lockern und zwei tiefe, lange Huptöne über die kalte Nordsee dröhnen, atme ich erstmal tief durch. Jetzt kann nichts mehr schiefgehen. Wir haben die Fähre erwischt. Und wir haben es tatsächlich geschafft, alle Weihnachtsgeschenke unauffällig im Kofferraum zu verstauen, die großen Lego-Packungen, die Inliner, Kuscheltiere, Bücher, Spiele, sogar die Gitarre. Lediglich ihr Griff ist noch zu erahnen, sonst nichts, zum Glück. Schließlich sind Nora (8) und Jakob (6) sicher, dass nicht Vater und Mutter sondern das Christkind die Präsente unterm Baum ablegt. Die Fähre tastet sich vor ins milchige Nichts. Irgendwann wird sich Föhr aus dem milchigen Dunst schälen und kurz darauf Amrum. Ich ziehe die Mütze tiefer ins Gesicht und denke an unserer Weihnachtsferien. An lange Wattwanderungen in der Winterjacke. An Eiskristalle am Dünengras. Und an gemütliche Stunden vor dem prasselnden Kamin.

Weihnachten auf Reisen – das hatte in unseren Vorstellungen verschiedenste Reize. Mit zwei Großfamilien im Schlepptau sind wir Weihnachten seit Jahren immer doppelt und dreifach eingeladen, nicht selten verbringen wir die Feiertage unter drei verschiedenen Tannenbäumen. Das schürte den Wunsch, endlich mal Ferien von und fern der Großfamilie zu machen, endlich mal allein unterm Baum zu sitzen. Zum Beispiel auf Amrum, da wollten wir schließlich immer schon mal hin. …

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Rømø, Dänemark

Ein Besuch auf der dänischen Insel Rømø, die nur einen Steinwurf von Sylt entfernt liegt, aber doch ganz anders ist

Die alte Weißhaarige, die schon hierher kommt, seitdem sie denken kann, sagt, wenn Rømø ein Mensch wäre, wäre es wahrscheinlich eine Dame vom Lande, mittleres Alter, grundsolide, sportlich, aufgeschlossen. Vielleicht, meint die Alte, wäre sie ein bisschen unmodern, das schon, aber nett wäre sie. Sie würde wert legen auf Natürlichkeit, wahrscheinlich auch auf gute Ernährung. Sie würde Krabben essen, die, für die Rømø bekannt ist. „Aber Austern würde sie verschmähen“, da ist sie sich sicher, „die schmecken zu sehr nach Sylt.“

„Rømø ist eine gute Insel“, sagt sie. Rømø verspricht nichts, was es nicht halten kann. Es ist einfach eine Insel, platt wie eine Flunder und struppig. Die Häuser stehen kreuz und quer über das Eiland verteilt, hier ein paar und dort ein paar, „schöne Häuser“, sagt die Alte und nickt bedächtig, „wahre Prachtstücke gibt es hier.“ Die Dörfer lassen auf den ersten Blick keine Struktur erkennen, haben keinen Platz, auf dem man sich treffen könnte. „Hier wohnt ja auch kaum noch jemand.“

Das stimmt. Knapp 600 Einwohner sind übrig geblieben auf Rømø, „vor 10 Jahren waren es noch mehr als 2000“, erinnert sich Bodil Glistrup Thomsen, Tourismus- und Entwicklungschefin der kleinen, dänischen Insel, die gerade mal zwei Kilometer nördlich von Sylt liegt. „Aber es ist wie auf vielen kleinen Inseln, die Jungen gehen aufs Festland, studieren, machen eine Ausbildung. Und kommen selten zurück.“ …

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