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Marseille und die Calanques

Marseille hatte lange Jahre einen schlechten Ruf. Dann bekam die Stadt einen Nationalpark vor der Tür und wurde auch noch Kulturhauptstadt. Jetzt ist Marseille eine Bilderbuchstadt

Es ist kurz nach neun, die Sonne wirft gerade ihre ersten milchigen Strahlen über die Häuser und auf den Fischmarkt. Michel steht von seinem Klappstuhl auf und streckt seine alten Glieder, er fängt an zu reden, er erzählt von Marseille, von seinem Leben als Fischer und zeigt Fotos aus längst vergangenen Zeiten. Michel auf seinem Boot. Michel mit seiner Frau. Michel, im Hintergrund der Marseiller Hafen. Vor ihm liegen kleine, getrocknete Seepferdchen, die er für fünf Euro das Stück an den Mann zu bringen versucht. Irgendwann zeigt er sein Schönstes, es steckt in seiner karierten Schirmmütze. Michel legt es sich auf die Hand, sagt, „das trage ich immer bei mir, „pour le bonheur“, als Glücksbringer.

Autos schieben sich hupend vorbei und um den alten Hafen herum, den Vieux-Port, in dem Segel- und Motoryachten schaukeln, Fischerboote und kleine Fähren. Lange Zeit haben die karamelbonbonfarbenen Fassaden der ältesten Stadt Frankreichs beim Verfall zugesehen. Jahrzehntelang galt Marseille als Wrack. Die Ölkrise. Die hohe Arbeitslosigkeit. Einwanderungswellen, die unkontrolliert über die Stadt hinwegschwappten, sie fast überrollten. Und jetzt? Jetzt hat Marseille sich neu erfunden. Die alten Sandsteinhäuser sind herausgeputzt, der Hafen ist blitzblank, direkt neben Michel und dem Fischmarkt ragt nun ein neues, megamodern scheinendes Sonnendach in den blauen Himmel, das die Spiegelbilder der Spaziergänger einfängt. …

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