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Snowbiken

Wer mit einem Snowbike die Pisten runterpest, ist auf einem echten Fun-Gefährt unterwegs – und trainiert ganz nebenbei auch noch Bauch, Beine und Po

„Das beste an dem Ding ist“, sagt Hermann Koch, 52, und nickt bedeutungsvoll zu dem gelben Drahtesel mit Kufen darunter, „also, das beste daran ist: Man lernt es im Handumdrehen!“ Koch misst mich kurz mit seinem Blick ab, dann weiß er, dass ich ein Snowbike Größe M brauche. „Es ist wirklich kinderleicht“, meint er, „also, bis auf eine Kleinigkeit, aber dazu später.“

Hermann Koch von der gleichnamigen Skischule im österreichischen Obertauern hat gut reden, er beherrscht die Schnee-Räder wie kaum ein Zweiter, vor kurzem hat er einen Rekord aufgestellt und ist damit im Guinessbuch gelandet. „Wir sind in drei Tagen 33 Skigebiete abgefahren und haben 150 Pistenkilometer und 31.000 Höhenkilometer geschafft“, erzählt er, und Stolz schwingt mit in seiner Stimme.

Meine Ansprüche sind weniger hoch gesteckt, ich möchte mit diesem eigentümlichen Gefährt nur die Pisten runterkommen. „Kein Problem“, winkt Koch ab, und drückt mir ein paar Mini-Skier in die Hand, die ich mir unterschnallen soll. Dann weist er mich kurz in die Technik des Snowbikens ein: Die Arme müssen stets gestreckt und die Knie immer am Bike belassen werden. Gebremst wird per Schwung quer zum Hang, „das ist wirklich total simpel!“ …

 

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Trysil: Winterferien auf norwegisch

Trysil ist Norwegens größtes und bekanntestes Skigebiet – und es ist wie geschaffen für Familien

Ganz langsam blinzeln die ersten blassen Sonnenstrahlen durch die Bäume, der Schnee knirscht, das Rillenmuster, das die Pistenraupen ins makellose Weiß gezeichnet haben, ist noch jungfräulich. Es ist kurz vor neun, gleich öffnen die Lifte. Schlangen? Fehlanzeige. Schließlich befinden wir uns in Norwegen, im größten Skigebiet hierzulande, im Trysilfjellet.

Hier, rund zweieinhalb Autostunden nördlich von Oslo und nahe der Grenze zu Schweden, lassen sich Winterferien der besonderen Art verleben. Natürlich kann man hier skifahren, aber es gibt noch weit mehr rund um Trysil: eine Halfpipe für Snowboarder beispielsweise und winterliche Schneeschuhwanderungen. Blauäugige Huskies, die unsere Familie auf flachen Schlitten durch die weiße Winterlandschaft ziehen werden. Ebenfalls Pflichtprogramm: ein Abend in der urigen und steinalten Hütte Knettsetra. Hier gibt es dreimal in der Woche Elchfondue. Aber dazu später …

„Der 1.132 Meter hohe Trysilfjellet ist im Vergleich mit den Alpen fast ein Zwergberg“, sage ich zu Jakob, 9, „doch keine Sorge, Abfahrten gibt es hier mehr als genug. An den Hängen des vulkanartigen Berges verteilen sich 32 Skilifte und 66 Abfahrten, sanfte gleichermaßen wie schwarze Pisten. …

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Brandenburg: Bungalowboot

In Brandenburg gibt es neuerdings Schiffe, die aussehen wie kleine, hölzerne Ferienhäuser

Die Sonne wirft grelle Strahlen über den Plauer See, als sich der mittelblaue, hölzerne Bungalow langsam aus dem Schilf schiebt. Ein Graureiher schwingt sich in die Luft. Die schwimmende Holzhütte dreht langsam, man hört das Wasser gurgeln und Enten schimpfen. „Ja“, sagt Günter Großmann und winkt nebenbei, „es sieht wirklich ein bisschen komisch aus“, das muss er zugeben. Ein Lächeln huscht über sein Gesicht. „Aber die Idee kommt gut an. Vor allem, weil man keinen Bootsführerschein braucht.“

Großmanns Erfindungen liegen seit Kurzem an einem Steg in Plaue an der Havel, kleine Blockhäuser, blau, gelb, rot und lindgrün gestrichen, mit zwei Rümpfen drunter. Gartenlauben, die Schiffe sein sollen. „Bungalowboote“, verbessert Großmann. Kann man mit denen wirklich in See stechen? Der Mittfünfziger aus Aschaffenburg nickt und lässt seinen Blick über das Schilf und den Plauer See wandern, als läge das große weite Meer vor ihm. „Natürlich“, sagt er, „was für eine Frage.“

Vor dem ersten Ablegemanöver allerdings muss man elf Seiten Theorie studieren und eine kleine praktische Einführung in die Technik an Bord und die wichtigsten Regeln der Binnenschifffahrt bekommen haben. Grüne Tonnen lässt man links liegen, rote rechts. Die Bungalowboote müssen Segelyachten, Ruderbooten und Kanus ausweichen. Wer von rechts kommt, hat Vorfahrt. …

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Müritz: Auf Seefahrt

Wer ein Segelschiff chartern möchte, braucht nicht unbedingt einen Bootsführerschein. Kleinkreuzer mit 4,5 PS-Motoren kann jeder mieten – und damit zum Beispiel die Müritz erkunden

Die Sonne wirft ihre letzten milden Strahlen über den See, leise und mit dicht geholtem Vorsegel gurgelt der kleine Jollenkreuzer durch die trichterförmige Enge. Eine schwache Brise kräuselt das Wasser. In der Luft kreisen Fischadler. Flaches, grün bewaldetes Land steigt rechts und links aus dem See. Ich steuere mit unserer „Marina“ den Wasserwanderrastplatz von Rechlin an, taste mich langsam dem Ufer entgegen, “hier wird es flach!”, ruft Nora irgendwann. Okay, denke ich, probieren wir’s. Ich lasse den Anker ins Wasser gleiten, lasse die Mädchen mit einer Leine an Land waten und eine Schlinge um einen Baum knoten – dann schaukelt unser Kleinkreuzer sicher und fest in der kleinen Bucht.

Mit einem Kleinkreuzer auf der Müritz segeln – das kann jeder, der Lust darauf hat, ein Führerschein ist für Schiffchen wie die First 210 nicht nötig. “Natürlich sollte man Lust auf Wasser und Wind mitbringen”, so Eva Mühleck von Kuhnle-Tours, “und ein bisschen Sportlichkeit kann auch nicht schaden, schließlich sind diese Jollen vergleichsweise klein und wackelig. Aber das – gepaart mit einer gehörigen Portion Neugierde auf ein zauberhaftes Binnenrevier – ist alles.” Und das klappt? Man kann einfach aufsteigen und lossegeln? “Bisher hat es immer geklappt!”, wischt Mühleck meine Bedenken weg.” …

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Segeln: British Virgin Islands

Die (BVI’s) gelten als das beliebteste Segelrevier der Karibik. Auf der einen Seite brandet der Atlantische Ozean, auf der anderen plätschert das Karibische Meer

Beim Anflug mit der kleinen Propellermaschine sieht man sie als verstreute grüne Tupfer im tiefdunkelblauen Meer. Mal groß und bergig, mal klein und hügelig, mal winzig und flach. Auf einigen wuchern Mangroven bis ans Ufer, andere sind umgeben von Korallenbänken. Fast alle zieren weiße Sandstrände und vom Passatwind gebogene Palmen. Über 60 Inseln zählen zu den British Virgin Islands (kurz: BVI’s), zu dieser kleinen, britischen Kolonie, auf der die englische Königin Staatsoberhaupt ist.

Über 700 Charteryachten kreuzen durch den winzigen Staat, so viele wie in keinem anderen Karibikrevier. Viele von den Booten sind mit Skipper und Köchin unterwegs, die den Gästen die Arbeit abnehmen.

So wie David und Dawn Shawn aus England. Sie segeln für den weltgrößten Charteranbieter Moorings einen 15 Meter langen und sieben Meter breiten Katamaran und haben Platz für bis zu sechs Gäste. David kennt das Revier seit 16 Jahren, er weiß, warum gerade diese kleine Inselgruppe so angesagt ist: „Die BVI’s erfüllen alle Erwartungen und Wünsche an ein tropisches Traumrevier“, sagt er, „Bilderbuchstrände sind hier nicht die Ausnahme, sondern die Regel.“ Dazu gelten die Inseln als geradezu ideal für Segeleinsteiger. „Die Distanzen sind kurz, die Gewässer vor den großen Atlantikwellen geschützt und die Infrastruktur ist für segelnde Besucher enorm abwechslungsreich“, bringt er die Trümpfe der BVI’s auf den Punkt. …

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Türkei: Gulet

Wer eine ‚Blaue Reise’ bucht, erlebt die Türkei abseits der ausgetretenen Touristenpfade. Von Bord einer Gulet aus, eines traditionellen, hölzernen Schiffes

Eigentlich ist Mehmet ein Kapitän, wie man ihn sich vorstellt. Die Haut ist braungebrannt, die Statur ist kräftig und die Stimme dunkel, er strahlt Ruhe aus, wahrscheinlich sogar, wenn um ihn herum ein Sturm tobt. Nun aber sitzt er auf der Reling und schüttelt den Kopf, dass die türkische Filterzigarette im Mundwinkel hin- und herwippt. Ins Meer springen? „Hayir, hayir“, sagt er, nein, nein, das tue er auf gar keinen Fall. Schon gar nicht im Frühsommer.

Die Worte des Kapitäns tragen nicht gerade dazu bei, dass sich mein Puls beruhigt, im Gegenteil. Ein dumpfes Pochen kriecht meinen Hals hinauf und hämmert seinen Takt in meine Ohren. Ein paar Meter unter mir gurgelt das Meer, silberne Schatten flitzen vorüber, ich denke an den kurzen Schock, der mich erzittern lassen wird, wenn ich eintauchen werde. Aus der Tiefe schimmern Felsen, ich zähle: eins, zwei, drei! Und springe tatsächlich. Hinein in eine dieser Bilderbuch-Buchten, die jeder von Postkarten kennt: ringsherum Hügel, in deren kargen Boden Kiefern ihre Wurzeln krallen, Felsen, von tintenblauem Wasser umspült, und mittendrin schaukelt ein hölzernes Schiff.

Eine Kreuzfahrt auf einer türkischen Gulet, in diesem Fall, auf der ‚Mehmet Kaptan 4’. Eine Woche lang wird uns Kapitän Mehmet (44) durch den Golf von Fethiye schippern …

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Österreich: Im Winterwunderland

Wer Österreichs hinterletzter Ecke ansteuert, hat es gut: Schnee in Hülle und Fülle. Allerlei Wintervergnügen. Und original österreichischer Kaiserschmarrn

„Aber in die Skischule gehe ich dieses Mal nicht!“, sagt Nora (10) bestimmt und stampft auf den hölzernen Dielenfußboden unserer Hamburger Stadtwohnung. Auch ihr kleiner Bruder Jakob (7) pflichtet ihr sofort bei: „Ich auch nicht.“ Und für mich muss sich mein Mann Michael (44) ohnehin etwas einfallen lassen. Berge, Schnee und Sonnenterassen sind ganz mein Geschmack, aber den ganzen Tag lang Pisten rauf- und runtersausen? „Ich würde mich gern erholen“, gebe auch ich mein Statement ab. Mein Mann grinst nur, sagt „ganz ruhig, ihr Lieben“, nickt wissend und packt weiter, Schneehosen, Schals, Mützen.

Die Zauberformel für unseren Winterurlaub liegt in Kärnten und heißt Mountain Resort Feuerberg. Das klingt nach Kanada, liegt jedoch in Österreich. Unser bis unter das Dach vollgestopfter Kombi schlängelt sich die Serpentinenstrasse bis auf 1760 Meter hinauf, links und rechts Wände aus Schnee. Zum Glück sind wir vorbereitet, haben Winterreifen auf den Felgen und Schneeketten im Fußraum. Oben angekommen, lassen wir unsere Blicke die Karawankengipfel hinaufklettern und über die umliegenden Täler von Kärnten schweifen. „Das ist voll cool“, findet Tim (13), „man kann ja unendlich weit gucken!“

Das Ende der Straße ist der Beginn einer anderen Welt, einer Welt, die nur aus Bergen, Schnee und Himmel zu bestehen scheint. …

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Im Zweitakt durch die Toskana

Wer die Toskana mit der Vespa durchfährt, kommt auch (fast) überall hin. Und lernt außerdem noch, wie sie sich anfühlt, wie sie schmeckt und wie sie riecht. Eine Reise mit allen Sinnen 

Endlich! Ich stoße die gläserne Tür auf, die das Café vom Rest der Welt trennt und hole tief Luft, kühle, klimatisierte Luft, Luft ohne Brummer und Mücken. Zwei Stunden auf dem Sattel einer Vespa liegen hinter mir, der Fahrtwind hat mir die Fliegen auf die Gläser meiner Sonnenbrille und auf meine Wangen geschmettert. Jetzt ist dieses kleine Cafe hier meine Rettung, ein Plätzchen zum Erholen, klein und voll besetzt mit Italienern, die nun alle schauen: auf mein kleines, himmelblaues Motorino und auf mich. Ich bestelle Wasser und einen Cafe Latte, dann kann ich mich entspannen, endlich, mich ausruhen, stärken. Und darüber nachdenken, ob das eine gute Idee war, die Toskana mit der Vespa durchstreifen zu wollen.

Am Abend zuvor hatte ich mir eine Vespa geliehen, bin an einer Reihe rubinroter und zitronengelber Roller vorbeigeschritten, alle neu und glänzend, bis sich meine Blicke an der Himmelblauen festhielten, Baujahr 1966 und mit rissigem Kunstledersattel. „Scusa“ hatte ich geflüstert, „könnte ich auch die dort hinten haben?“ Der Alte von der Verleihstation hatte mich angestarrt und den Kopf geschüttelt, hatte sie von Spinnweben befreit und ein paar Rädchen und Schräubchen überprüft, sie dann von ihrem dünnen Ständerchen gehievt und mir übergeben, immer noch kopfschüttelnd. Dabei war sie die Schönste weit und breit. …

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